20 Aug 18

Landeshaushalt Niedersachsen - Mittel für Erwachsenenbildung stagnieren seit 1993

 

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3,7 Mio Euro Erhöhung der Grundförderung für die Bildungseinrichtungen in Niedersachsen, das entspräche einem Zuwachs von 8 Prozent. Das wurde von Experten empfohlen und Minister Thümler hatte es mehrfach in Aussicht gestellt. Doch im Haushaltsentwurf sind keine entsprechenden Mittel vorgesehen. Das Problem: Seit 1993 gab es keine Erhöhung mehr! Die Folge: Die Erwachsenenbildung in Niedersachsen ist finanziell abgehängt worden. Seit 1993 sind die Mittel für die Erwachsenenbildung sogar um 20 Prozent gekürzt worden. Hinzu kommt ein Kaufkraftverlust in Höhe von 33 Prozent. Effektiv hat die Erwachsenenbildung also in 26 Jahren über die Hälfte an Landesmitteln verloren.


Erwachsenenbildung ist nach Schule, Berufsausbildung und Hochschule die vierte anerkannte Säule des Bildungssystems, aber sie ist auch der einzige Bildungsbereich, der im Landeshaushalt seit Jahren vernachlässigt wird. In zahlreichen Gesprächen mit Abgeordneten der Regierungsparteien wurde die Forderung, die Abwärtsspirale zu stoppen, zwar unterstützt, aber nichts ist geschehen.


"Um den Standard angesichts ständig wachsender gesellschaftlicher Anforderungen zu halten, die Kursangebote weiterzuentwickeln und auszubauen, den Sprung in die Digitalisierung zu schaffen, ist eine laufende Anpassung der Grundfinanzierung für die Volkshochschulen, die Heimvolkshochschulen, die Katholische, die Evangelische sowie für die weiteren Landeseinrichtungen vor Ort unbedingt erforderlich", betont Prof. Dr. Gerhard Wegner, Vorsitzender des Niedersächischen Bundes für freie Erwachsenenbildung e.V. (nbeb). Bereits jetzt haben die 87 Bildungseinrichtungen in ganz Niedersachsen Schwierigkeiten, die stetig steigenden Kosten (Gehälter, Miete, Energie etc.) zu bezahlen.


In jährlich 107.000 Veranstaltungen in ganz Niedersachsen setzt sich die Erwachsenenbildung für Demokratiebildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Persönlichkeitsbildung und Inklusion, für nachhaltige Entwicklung und Ehrenamt ein. "Sie leistet einen wichtigen Beitrag, unser Land und unsere Menschen für die Zukunft gut aufzustellen" (Minister Thümler). Dieser wichtige Beitrag muss durch einen Zuwachs von 8 Prozent in 2019 gesichert werden!


Weiterbildung ist ein Recht für alle Menschen! Allerdings: Den geflüchteten Menschen werden durch die Kürzung der Gelder für Sprachkurse Bildungs- und Integrationschancen genommen. Durch die Kürzung der Projektmittel für Sprachkurse für Geflüchtete in 2019 ist eine konstante Kursversorgung nicht mehr gewährleistet. Aber Bildungsausgaben von heute senken die Sozialausgaben von morgen!


Auch für den Weg in die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen ist für die Erwachsenenbildungseinrichtungen noch kein Geld in Aussicht. Medienkompetenz, Digitalkompetenz, Datenschutz, Verbraucherschutz, Sicherheit etc. müssen für alle Menschen kostengünstig vermittelt werden, damit jeder die notwendigen technischen Entwicklungen verstehen, bedienen und damit umgehen kann. Das könnte die Erwachsenenbildung leisten, dafür ist aber zusätzliches qualifiziertes Personal in den Bildungseinrichtungen erforderlich. Dies erfordert Investitionen sowohl in die technische Infrastruktur als auch in die Entwicklung des Personals und der Organisationen.


nbeb-Vorsitzender Prof. Dr. Gerhard Wegner